Richtig drehen und loggen für einen reibungslosen Ablauf in der Postproduktion
Für wen ist dieses Dokument?
Dieses Papier richtet sich insbesondere an kleine Teams mit wenig Erfahrung. Als Neuling am Set oder in der Kamera-/Tonabteilung solltest du das Dokument aufmerksam lesen und ggf. griffbereit am Set haben.
Als Profi bitte ich dich trotzdem, das Dokument zumindest einmal zu lesen. Auch wenn du von professionellen Sets andere Arbeitsweisen kennst, bedenke, dass dort andere Ressourcen zur Verfügung stehen. Dieses Dokument ist keine Anleitung für professionelles Drehen, sondern eine Guideline für unerfahrene Teammitglieder. Seid und bleibt freundlich und hilfsbereit!
Einleitung
Hi, und klasse, dass du dir dies hier anschaust. In diesem Papier sind Grundlagen beschrieben, die wichtig und nötig sind, damit das Schnitt-Team technisch gut arbeiten kann.
Über diesen kleinen Guide hinaus kann man z. B. auch noch Dinge für VFX-Shots oder inhaltlich bzw. storyrelevantes Material „loggen“. Jede Information erleichtert irgendwem, irgendwo, an irgendeiner Stelle die Arbeit.
Ohne sauber geführte Berichte stecken wir in der Postproduktion ein Vielfaches an Zeit in potenziell einfache Arbeitsschritte. Wenn wir z. B. die Ton- und Kameradateien nicht eindeutig zuordnen können, müssen wir puzzeln. Wenn wir zusätzlich eine Notiz mit „Favorit“, „Kopierer“ oder „Nicht-Kopierer“ bekommen, können wir direkt sehen, ob der Take super, okay oder nicht gut war.
Vorbereitung vor dem Dreh
Als Regie kannst du für dein nächstes Projekt Folgendes vorbereiten:
- Einen Drehplan inklusive Szenen- und Shot-Nummern erstellen.
- Über das gesamte Projekt dürfen sich die Namen/Nummern nicht doppeln! Nutze Zahlen und Buchstaben in Kombination.
- Die Reihenfolge der Szenennummern darf gerne logisch der Story folgen. Die Shot-Nummern vergibst du am besten, wenn du die Auflösung mit der Kameraperson planst.
- Üblich ist: Szene und Shot, z. B. „Szene 24, Shot 5“.
- Wenn du keinen Drehplan und auch keine Shotliste hast, solltest du mindestens auf der Dispo Shot-Nummern vergeben.
Am Set: Kamera- und Tonberichte
- Notiere für jeden Take den Clip-Namen der Kamera und des Tonrekorders – zur Not auch ohne Klappenbeschriftung (Szene, Shot und Take).
- Falls du keine eigenen Kamera- oder Tonberichte anfertigen kannst, notiere mindestens auf der Dispo (digital oder analog), welche Takes/Clips aufgenommen wurden.
- Falls nur die Kamera oder der Tonrekorder mitläuft, schreibe jeweils den Clip-Namen auf und mach in der leeren Spalte einen Strich.
- Wenn nur die Kamera läuft, mache ein kleines Zeichen, dass kein Ton mitlief, z. B. „MOS“. Umgekehrt notiere „NT“.
Ansagen beim Dreh
- Sobald der Ton läuft, sage laut und deutlich die Klappe an, z. B. „Szene 24, 5, die 3“.
- Achte darauf, dass niemand anderes in dem Moment etwas sagt oder Lärm macht. Wenn du dir unsicher bist, ob man deine Ansage gehört/verstanden hat, sag es einfach nochmal. Wenn die Ansage fehlt, müssen wir in der Post raten und ausprobieren – das kostet unnötig Zeit und dauert länger, als wenn du die Ansage einfach wiederholst.
- Wenn nicht am Anfang der Aufnahme geklappt wird, sage direkt „Schlussklappe“ laut und deutlich. Achtung: Dann am Ende des Takes wachsam sein und rechtzeitig nochmal „Schlussklappe“ sagen, laut die Ansage machen und dann klappen. Halte die Klappe hier nach unten gedreht.
- Wenn ein Nur-Ton gemacht wird, sage direkt nach Aufnahme-Start kurz und knapp, was aufgenommen wird.
- Falls beim Ansagen mal etwas nicht mitkommt, reißt dir niemand den Kopf ab – aber dann achte ganz besonders auf die Kamera- und Tonberichte.
Ablauf je Take
- Du hast die Klappe bereits für den nächsten Take vorbereitet und korrekt beschriftet.
- Ton startet die Aufnahme und gibt die Rückmeldung „Ton läuft“.
- Jetzt machst du die Ansage, was auf der Klappe steht.
- Bevor die Kamera läuft, hältst du die Klappe nahezu bildfüllend ins Bild (das ist wichtig für die Lesbarkeit), dann wird die Kamera gestartet.
- Jetzt schlägst du die Klappe und wartest eine halbe Sekunde, bevor du sie aus dem Bild nimmst.
- Wenn du in der Nähe von Schauspielenden bist, klappst du sie nur leicht zu.
- Wenn du weit weg bist, schlage etwas stärker, damit der Ton auch hörbar ist.
- Wenn du zweimal schlägst, sage „Zweite gilt“.
Drehen mit Timecode
Der Timecode hilft dem Schnitt-Team, den Ton in wenigen Schritten ans Bild anzulegen. Das spart uns also in erster Linie Zeit. Aber dafür muss der Timecode auch korrekt sein. Selbst wenn du regelmäßig den Timecode am Set kontrollierst, kommt es immer wieder vor, dass dabei irgendwas nicht funktioniert und der Fehler unbemerkt bleibt.
Daher ist es selbst mit Timecode wichtig, die Klappe zu schlagen und Berichte zu führen. Im schlimmsten Fall – ohne Timecode und ohne Berichte – ist das Puzzle für uns in der Post nahezu unlösbar.
Einige Grundprinzipien
- Klarheit & Einheitlichkeit sind entscheidend.
- Alles muss zueinander passen: Klappe ↔ Kamera-Bericht ↔ Ton-Bericht. Im Zweifel müssen immer die Berichte stimmen, falls beim Klappen mal Fehler passieren.
- Lieber zu viele Anmerkungen als zu wenige. Jede Auffälligkeit (Fehler, Nebengeräusche, Improvisation) hilft im Schnitt.
- Keine Schummelei bei Take-Nummern. Wenn ein Take abgebrochen wird, trotzdem im Bericht notieren (z. B. „Take 4 abgebrochen“).
- Wenn du dir unsicher bist oder irgendwas nicht zusammenpasst, lieber einmal mehr fragen!

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